Bernd

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Bernd, Jahrgang 1971, schwul, positiv seit 2017

Ich habe mir einen Traum erfüllt: seit Kindertagen wollte ich einmal um die Welt. Und dann auf einmal wurde es konkret, über meinen 45. Geburtstag habe ich mir diesen Lebenstraum erfüllt. Eine tolle Erfahrung.
Aber zurück kam ich krank: ich hatte mir tatsächlich diesen Virus als “Souvenir” mitgebracht. Nachlässig gewesen und das Kondom vergessen in die Tasche zu stecken. Trotzdem Lust gehabt. Doof. Vermeidbar.
Aber ich fühlte mich so unverletzlich, so unbesiegbar, jetzt in diesem, in meinem Jahr.

Das Ergebnis bekam ich beim Test in der Kneipe, Freitags abends. Ein Wochenende allein zu Hause, kein Arzt, kein Gesundheitsamt, keine Beratungsstelle, die ich fragen konnte. Meine beste Freundin rief zufällig an und merkte schon nach wenigen Sätzen, dass mit mir etwas nicht stimmte. Und da erwachte mein Forschergeist. Als Naturwissenschaftler habe ich mich einfach dran gesetzt und selber geforscht.

Und fand ganz schnell heraus: hey, du hast dieses Virus jetzt ein Leben lang in dir, aber die medizinische Forschung ist weit gekommen. Ich kann fast normal leben. Ich kann lachen, tanzen, mit Kollegen feiern, aus der gleichen Schüssel mit Freunden essen, ich kann lieben (unter bestimmten Voraussetzungen) sogar ohne Kondom, ich könnte sogar Kinder zeugen, wenn ich wollte, ohne dass ich ihnen das Virus mit auf ihren Lebensweg gebe.

In der kommenden Woche standen dann schon die Besuche bei der Aidshilfe Dresden, beim Gesundheitsamt und bei einem “Schwerpunktarzt” dran. Infos sammeln, sich beraten lassen, mit der Behandlung anfangen. Und überall wurde ich ganz toll aufgenommen. Und was schön war: niemand stellte mir die “Frage”. Dieser verwundbare Punkt, wie habe ich mir den Virus gefangen. Kein Vorwurf, keine Peinlichkeiten. Sondern einfach nur freundliche Menschen, die das Beste mit mir und für mich machen wollten.

Als ich mit meiner Behandlung anfing, dauerte es keine zwei Monate, bis das Virus in meinem Blut schon nicht mehr nachweisbar war, so gering ist seitdem die Konzentration.
Seitdem bin ich nicht mehr ansteckend. Ich habe fast gar keine Nebenwirkungen, und das Einnehmen der Tablette ist quasi mein kleines “Dessert” zum Frühstück.

Es spielt in meinem Leben nur noch eine untergeordnete Rolle. Auch mit dem Wissen um das Virus habe ich neue Freunde gewonnen und gerade bahnt sich sogar eine neue Liebe an.

Wenn es etwas gibt, was meine Infektion mit mir gemacht hat: ich habe verstärkt Lust auf das Leben. Ich sehe vieles “postitiver”.
Ich möchte nicht mehr in falschen Gefühlen gefangen sein. Ich bin in meinen Worten und Handlungen oft direkter als früher.
Ich möchte noch viel lachen, lieben und am liebsten in 80 Tänzen um die Welt tanzen.

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Sachsen